HIGHLIGHTS 30 APRIL 30, 2014

Leaders

Ein außergewöhnlicher Verstand kann überall geboren werden. Gesellschaften, die kluge Köpfe erkennen, fördern und auf ihnen aufbauen, werden langfristig davon profitieren. Diejenigen, die sie ignorieren oder zum Schweigen bringen, werden den Kürzeren ziehen. Mozart, Plato, Jefferson, da Vinci, Jobs, Franklin, Gandhi und Chomsky. Kluge Köpfe sind als Individuen oder im Rahmen einer umfassenden Zusammenarbeit tätig. Sie sind nicht auf Kunst, Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft beschränkt. Man kann sie in den Umweltwissenschaften und im Gesundheitswesen finden.

2001 hatte die Europäische Umweltagentur (EUA) einen bahnbrechenden Bericht über Technologien, die sich später als schädlich erwiesen haben, veröffentlicht. Dieser hat sich mit der Geschichte des Vorsorgeprinzips befasst und aufgezeigt, dass man oft erst lange nach den ersten Anzeichen eines Problems aktiv geworden ist, welches in der Zwischenzeit bereits ernsthafte Gesundheitsschäden und hohe Kosten verursacht hatte. Der Bericht ist in Zusammenarbeit mit einem großen Kreis externer Autoren und Gutachtern verfasst worden. Er trägt den Titel "Späte Lehren aus frühen Warnungen" und hat weitreichende Folgen für Politik, Wissenschaft und Gesellschaft.

Der Wandel in der heutigen Welt hat sich seit 2001 beschleunigt. Technologien werden jetzt schneller als früher aufgegriffen. Risiken können sich rascher und weiter verbreiten als die Gesellschaft in der Lage ist, sie zu verstehen und ihren Auswirkungen so rechtzeitig zu begegnen, dass Schaden abgewendet werden kann. Das Vorsorgeprinzip ist heute wichtiger denn je.

Späte Lehren aus frühen Warnungen

2013 ist schließlich der zweite Bericht über „Späte Lehren aus frühen Warnungen“ herausgegeben worden. Seine Fallstudien schließen von Pestiziden, endokrin aktiven Chemikalien in gewöhnlichen Kunststoffen, industrieller Quecksilbervergiftung und das Ökosystem verändernden Arzneimitteln verursachte Fruchtbarkeitsprobleme ein. Er weist auf beunruhigende Wirkungen von genetisch modifizierten Organismen und der Nanotechnologie hin, die beide bereits weit verbreitet sind.

Der Bericht geht auch auf den Aspekt falsch-positiver Ergebnisse ein, also Warnungen, die sich als Fehlalarm herausgestellt haben.

Weiterhin wird die Anwendung des Vorsorgeprinzips zur Risikominderung im Falle von weitgehend nicht getesteten Technologien und Chemikalien betont. Wissenschaftliche Ungewissheit ist keine Rechtfertigung für Passivität, wenn es einen plausiblen Beweis für potentiell schwere Schädigungen gibt!

Noch wichtiger ist die Aussage des Berichts, dass Vorsorgemaßnahmen oft Innovation stimulieren und nicht bremsen.

Er empfiehlt, dass die Wissenschaft die Komplexität der Biologie und der Umweltsysteme anerkennen sollte, weil es im zunehmenden Maße schwieriger wird, einen einzelnen Wirkstoff zu isolieren und zweifelsfrei zu beweisen, dass er schädlich ist. Deshalb würde ein interdisziplinärerer Ansatz dem Verständnis und der Vermeidung von Risiken dienen.

Zweitens sollten unsere Entscheidungsträger rascher auf frühe Warnungen reagieren, insbesondere im Falle von umfangreichen Technologien.

Drittens sollten diejenigen für den Schaden aufkommen, die zukünftige Risiken schaffen.

Viertens zeigt sich, dass die Risikoabschätzung verbessert werden kann. So ist die Feststellung ‘kein Beweis für Schädigung’ oft fälschlicherweise als ‘Beweis für mangelnde Schädigung’ interpretiert worden.

Vorgeschlagen werden Regierungsformen, die die Bürger in Entscheidungen über Innovationen und Risikoanalysen einbeziehen, um die Gefährdungsexposition zu mindern und Innovationen mit umfangreicheren gesellschaftlichen Vorzügen zu fördern.

Die stärkere Interaktion zwischen Regierungen, Bürgern und Wirtschaft könnte zu robusteren und vielfältigeren Innovationen zu Gunsten geringerer Kosten für Gesundheit und Umwelt führen.

Sie können die vollständigen Berichte und E-Books sowie einzelne Kapital downloaden.

David Gee war der Begründer des Projekts Späte Lehren aus frühen Warnungen bei der EUA und hat dem Redaktionsteam für beide Berichte angehört.

Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass David Gee uns in der Schweiz im Rahmen von zwei Veranstaltungen besuchen wird, um wesentliche Einblicke in dieses einzigartige Projekt zu bieten.

Die erste Veranstaltung unter der Leitung von Dr. Jean Stalder, dem Vorsitzenden des Vorstands von PAN SWISS, wird am Mittwoch, den 14. Mai, von 18.30 bis 21.00 Uhr, in Lonay bei Morges stattfinden (bitte setzen Sie sich mit mir unter margaret.bergen@panswiss.org in Verbindung).

Die zweite Veranstaltung unter der Leitung von Angelika Hilbeck wird von D-USYS und USYS TdLab am Donnerstag, den 15. Mai, von 16.15 bis 18.15 Uhr im Gebäude CHN, Raum E46, der ETH Zurück organisiert (bitte setzen Sie sich mit Angelika Hilbeck unter angelika.hilbeck@env.ethz.ch in Verbindung).

An den Vortrag von David Gee in Zürich werden sich Kommentare von drei ETH-Wissenschaftlern anschließen:

Christoph Kueffer, D-USYS, ETH Zürich, hat am zweiten Späte Lehren-Bericht als Autor des Kapitels über invasive fremde Arten mitgewirkt.

Angelica Hilbeck, D-USYS, ETH Zürich, wird über die Anwendung des Vorsorgeprinzips im Zusammenhang mit genetisch modifizierten Organismen (GMO) sprechen.

Martin Scheringer, D-CHAB, ETH Zürich, wird auf Fallstudien über Chemikalien, insbesondere DDT, eingehen.

Wir sind sicher, dass die Präsentationen eine aufschlussreiche allgemeine Diskussion fördern werden.