HIGHLIGHTS 31 MAY 23, 2014

Get Science?

Stellen Sie sich vor, dass Sie einen ruhigen Morgen und ein paar Minuten zum Nachdenken haben. Beim Abendessen am Vorabend hatte Ihnen bei einer Diskussion über Gentechnik ein Freund gesagt, Sie sollten ihm „wissenschaftliche Belege zeigen“. Nun wollen Sie wissenschaftliche Belege besorgen. Wo können Sie das?

Egal, ob es um Nanotechnologie, Glyphosat, Kinderimpfungen oder Mikrowellen geht: Wissenschaftliche Erkenntnisse sind nicht leicht zu bekommen.

Warum ist das so? Es gibt mehrere Gründe.

Quantität und Geschwindigkeit

Da das Tempo neuer Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie zunimmt, gibt es eine enorme Anzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen, die jeden Tag erscheinen. Wichtige Entdeckungen schwimmen in einem Meer trivialer Erkenntnisse. Wissenschaftsjournalisten werden im zunehmenden Maße damit konfrontiert, dass sie komplizierte technische Informationen verarbeiten müssen.

Derweil ist die Zahl der Wissenschaftsjournalisten noch schneller geschrumpft als die der klassischen Medienkanäle, die diese beschäftigt haben. Zum Beispiel gab es in den USA vor zehn Jahren 90 wöchentliche Wissenschaftsteile in den wichtigsten Tageszeitungen. Heute sind es nicht mehr als 15. Im Zuge dieses Rückgangs und des Bemühens, die Leserschaft nicht zu verlieren, ist es zu einem Wandel von einer tiefgründigen Berichterstattung zu einer Lifestyle-orientierten Behandlung von Themen über traditionelle Medizin, persönliche Gesundheit und Fitness gekommen.

Medien schaffen es nicht

Da die Mainstream-Medien auf Vereinfachung und Unterhaltung ausgerichtet sind, werden wissenschaftliche und ordnungspolitische Fragen oft als ein Kampf zwischen zwei „sich duellierenden“ Experten mit zwei Extremansichten dargestellt, was einen in die Irre führenden Eindruck einer Ausgewogenheit vermittelt und oft Minderheitsmeinungen überbetont.

Wissenschaftszeitschriften

Wissenschaftliche Abhandlungen werden natürlich weiterhin veröffentlicht. Es gibt tausende Wissenschaftszeitschriften. Ein führender Verlag wie Elsevier zum Beispiel kann hunderte, wenn nicht tausende Titel führen. Für eine durchschnittliche Person wäre es aber unglaublich zeitaufwändig und teuer, sie alle durchzusehen, um das zu finden, was sie interessiert.

Die meisten Zeitschriften verlangen nicht nur von den Wissenschaftlern, für die Veröffentlichung ihrer Arbeit zu zahlen, sondern sie berechnen ihren Lesern auch rund $ 35 pro Artikel oder $ 300 – 400 für ein Jahresabonnement. (Es gibt einige frei zugängliche Systeme wie die Öffentliche Bibliothek der Wissenschaften). Natürlich haben Wissenschaftler, die von Regierungen, der Industrie oder Universitäten beschäftigt werden, durch Abonnements ihrer Institution einen permanenten Zugriff auf entsprechende Zeitschriften. Aber für eine gewöhnliche Person wäre es sinnlos, regelmäßig auf alle zuzugreifen.

Eine weitere Barriere ist ihre oft unklare Sprache. Für viele Autoren sind die Schlussfolgerungen und Konsequenzen zweitrangig. Sie sind mehr darauf fixiert, auf sehr technische Weise zu beschreiben, was sie getan haben, als die Bedeutung aufzuzeigen (die meisten Wissenschaftler fürchten auch, als „Aktivisten“ eingestuft zu werden, wenn sie die gesellschaftlichen Auswirkungen ihrer Entdeckungen hervorheben).

Internet

Das Internet bietet Unmengen an Informationen an, aber diese Quelle kann sehr leicht manipuliert werden. Unsortiert und ungeprüft, kann das Internet für den einfachen User verwirrend und ungenau sein.


Professionelle Verzerrungen

Serious vested interests are an enormous confounding factor, playing a role usually invisible to the untrained person. First and foremost, it is about influencing which new discoveries gain media attention. For example, companies that stand to profit from a new drug invest in making sure that reporters write glowing articles about it. Conversely, when something unfavorable is discovered about a product, the companies invest in diverting attention and discrediting the science. These efforts range from outrageous to subtle, such as lining up pre-selected teams of critics (see the Swiss SCACHT, for example). Erhebliche persönliche Interessen bilden einen enormen Störfaktor und werden von einer unerfahrenen Person gewöhnlich nicht erkannt. In erster Linie hängt es vom Einfluss ab, welche neuen Entdeckungen Medienaufmerksamkeit erhalten. So ergreifen zum Beispiel Unternehmen, die von einem neuen Medikament profitieren wollen, Anstrengungen um sicherzustellen, dass Journalisten begeisterte Artikel darüber schreiben. Umgekehrt investieren Firmen, um abzulenken und die wissenschaftlichen Erkenntnisse in Misskredit zu bringen, wenn etwas Nachteiliges über ein Produkt entdeckt wird. Diese Bemühungen reichen von ungeheuerlichen bis zu subtilen Maßnahmen wie der Aufstellung vorausgewählter Gruppen von Kritikern (vgl. SCAHT in der Schweiz, zum Beispiel).

Die finanziell gut ausgestattete PR-Branche versucht, das Urteilsvermögen von Journalisten im Interesse ihrer Kunden zu beeinflussen. Das erzeugt eine mediale Feedbackschleife, weil andere Journalisten selber von der anfänglichen „maßgeschneiderten“ Berichterstattung beeinflusst werden. Außerdem führt dies zur Entstehung mächtiger und weit verbreiteter Stereotype. Dazu zählen die „Wundermedikamente“ in den sechziger Jahren, die „die Hungrigen ernährenden Pestizide“ in den siebziger Jahren und heute die „Biotechnologie zur Ernährung der neun Milliarden Menschen im Jahr 2050“.

PR-Aktionen werden als Serie anscheinend nicht miteinander verbundener, sich aber gegenseitig verstärkender Maßnahmen getarnt. Ein Beispiel ist das sehr aktive Science Media Center mit Sitz in Großbritannien, das während des Höhepunkts der Gentechnik-Debatte in Europa vor 14 Jahren gegründet worden ist, um „Wissenschaftlern zu helfen, besser zu kommunizieren“, ohne seine Verbindungen zur Wirtschaft zu offenbaren. Es war dem Schema gefolgt, das zuvor für sein berüchtigtes amerikanisches Pendant entwickelt worden war, das American Council for Science and Health (ACSH).

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Social-Media-Kanäle, die dem populären Facebook-Profil „I Fucking Love Science“ ähneln, produzieren gewöhnlich am laufenden Band triviale wissenschaftliche Phänomene und einfach verständliches Anschauungsmaterial, aber sie lassen systematisch kritische Erkenntnisse aus, die für die Industrie unvorteilhaft sind.

Was sind also Ihre Optionen?

Sie können PR-Materialien durchforsten, um gute, unparteiische wissenschaftliche Erkenntnisse zu erhalten, indem Sie einige Regeln befolgen:

1) Denken Sie immer daran, dass Unternehmen, denen Wissenschaftler missfallen, die entdecken, dass etwas mit ihren Produkten nicht stimmt, zunächst auf die seit langem bewährte Strategie zurückgreifen werden, Zweifel zu säen und die Feststellungen zu leugnen. Es gibt eine goldene Regel, die von der in Schwierigkeiten geratenen Industrie angewendet wird: Zunächst wird die unvorteilhafte wissenschaftliche Erkenntnis ignoriert, dann geleugnet, danach verzerrt und alle Regulierungsversuche verzögert, bis sie letztendlich akzeptiert wird und Änderungen vorgenommen werden. Das Letztgenannte kann Jahrzehnte oder länger dauern.

2) Wenn Sie eine Publikation finden, überprüfen Sie zunächst die Quelle. Wenn die Information von einer Institution stammt, die von der Entdeckung profitieren oder von dieser beeinträchtigt werden wird, beachten Sie bitte, dass diese ein wirtschaftliches Interesse hat und denken Sie genau über ihre Objektivität nach. Seien Sie noch vorsichtiger, wenn Sie woanders gesehen haben, dass qualifizierte und unabhängige Wissenschaftler diese Position in Frage stellen.

3) Achten Sie auf die Sprache. Besuchen Sie die Website eines industriellen Anbieters oder eines Industrieverbands, um zu sehen, welche Sprache sie verwenden. Zum Beispiel wird ein wissenschaftlicher Beitrag oder Bericht über Pestizide diese dann als „Pflanzenschutzprodukte“ (oder „phytosanitäre Produkte“ auf Französisch) bezeichnen oder es wird von „Behandlung“ oder „Schädlingsbekämpfung“ anstatt von Besprühen oder Einsatz die Rede sein. Auch werden Sie oft den Begriff "seriöse Wissenschaft" anstelle genauer Fakten finden.

Wenn Sie dann diese Begriffe auf scheinbar unzusammenhängenden und neutralen Websites sehen, können Sie die Zusammenhänge erkennen.

4) Sehen Sie in der Wikipedia nach. Manche Einträge werden von der Industrie verfasst, aber es gibt genügend Objektivität bei der Wikipedia, besonders dann, wenn Sie sich etwas Zeit nehmen, um genauer zu recherchieren und Hintergrundinformationen lesen.

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5) Wenden Sie sich an Nichtregierungsorganisationen. Ihre Mitglieder mögen manchmal eine leidenschaftliche Sprache verwenden, aber sie streben durch die Betonung einer Studie keinen Gewinn an. Sie mögen nicht über ein Budget für aufwändige PR-Maßnahmen oder schöne Anschauungsmaterialien verfügen, aber ihre Quellen, Dokumente und Links bieten vielfältige Informationen an.

6) Bedauerlicherweise sind viele Regierungsquellen im hohen Maße von wissenschaftlichen Beiträgen abhängig, die von der Industrie geliefert werden. Seien Sie aufmerksam, wenn seitens der Regierung auch nur geringfügige Bedenken geäußert werden. Diese werden gewöhnlich diplomatisch formuliert, um nicht bei den „wichtigsten Stakeholdern“ und ihren Juristen anzuecken.

7) Zögern Sie nicht, auf primäre Wissenschaftszeitschriften zurückzugreifen. Wenn Sie einen bestimmten kostenpflichtigen Artikel benötigen, aber nicht bezahlen wollen, können Sie die nächste Universitätsbibliothek aufsuchen. Die dortigen Computer gewähren oft einen Zugriff über das laufende Abonnement.

Jedoch möchte ich Ihnen eine Warnung über Zeitschriften mit auf den Weg geben: Industriestrategen geben schon seit langem firmeneigene oder sogar verfälschte Zeitschriften heraus. Einige Artikel in diesen Zeitschriften werden legitime Wissenschaft darstellen. Andere aber werden in die Irre führende oder sogar falsche Informationen vermitteln, die dadurch Legitimität erhalten, dass sie neben anderen Artikeln erscheinen. Die Zeitschrift kann ihren Status als von Experten überprüfte Publikation verwenden, um eine Atmosphäre zu schaffen, die diesen Veröffentlichungen Seriosität verleiht.

Eine vor kurzem durchgeführte Analyse hat zum Beispiel gezeigt, dass 17 von 18 Herausgebern von sich mit Toxikologie befassenden Zeitschriften, die untersucht worden waren, heimliche Verbindungen zur Industrie unterhalten. Wenn Sie zweifelhafte Quellen identifizieren möchten, wäre diese Liste ein guter Anfang.

Es schadet nie, einen Blick auf die Website einer Zeitschrift zu werfen, um mehr über ihre Richtlinien und Interessenkonflikte zu erfahren. Manche sind weitgehender als andere. Untersuchen Sie dann immer, was jeder Wissenschaftler bzw. jede Wissenschaftlerin über seine bzw. ihre institutionelle Zugehörigkeit sagt. Wenn einer oder mehrere Autoren der Zeitschrift einer Branche angehören, die mit der behandelten Fragestellung in Verbindung steht, sollten Sie skeptisch sein. Denken Sie daran, dass Unternehmen selten Studien in der Fachliteratur veröffentlichen lassen, die ihre Produkte kritisch behandeln. Seien Sie besonders achtsam bei an den Herausgeber gerichteten Briefen von Juristen, die wissenschaftliche Publikationen kritisieren, welche von der Schädlichkeit eines Produkts berichten. Die Juristen verbergen oft ihre Verbindung mit der Industrie.

8) Schließlich ist es sehr leicht, ein wissenschaftliches Experiment so zu gestalten, dass es fehlschlagen wird, auch wenn die meisten Durchschnittsmenschen sich dessen nicht bewusst sind. Wenn die Autoren einer Studie aus der Industrie stammen und berichten, dass eine von ihnen produzierte Chemikalie keine Auswirkungen hat, ist das ein Warnsignal. Es mag sein, dass es wirklich keine gibt, aber viele standardisierte Testprotokolle, die Wissenschaftler benutzen, sind zu einem früheren Zeitpunkt ebenfalls unter sorgsamer Mitwirkung der Industrie entwickelt worden.


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